Februar 2021
Der Ladanyi-Verein versteht sich als aktive Brücke zwischen dem Westen und China für eine vorurteilsfreie gegenseitige Verständigung. Als gemeinnütziger und unabhängiger Verein ist er konfessionsübergreifend.
Der Ladanyi-Verein steht für einen integralen Humanismus, der die geistige Dimension des Menschen besonders würdigt. Er fordert im interkulturellen Einsatz die verantwortete Mündigkeit des Menschen und fördert im Geiste der Aufklärung und der Biophilie das selbständige freiheitliche Denken und Handeln in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützt der Verein aktiv den kulturellen Austausch mit Menschen und Kulturen in aller Welt, um das Gestalten mitmenschlicher Achtung aus ethischen Perspektiven zu würdigen, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und neue Wege der Versöhnung, des Friedens und des Altruismus' anzubahnen.
Sein Name bezieht sich auf den ungarischen China-Kenner P. Laszlo Ladanyi SJ (geb. 1914 in Ungarn, gest. 1990 in Hong Kong); P. Ladanyi war ein anerkannter, empathisch-kritischer Beobachter der vielschichtigen Entwicklung Chinas unter Mao und seinen Nachfolgern. Als Chefredakteur von „China News Analysis“ von 1953 bis 1982 setzte er Massstäbe in der umfassenden Analyse in einer Zeit, in der es äusserst schwierig war, klare Erkenntnisse über China zu erhalten. Dabei bezog er sich vor allem auf Quellen der Berichterstattung der Kommunistischen Partei Chinas. Nachdem er einige Jahre in Festland-China gearbeitet hatte, ging er nach Hong Kong, um von dort in der ständigen Auseinandersetzung mit Informationen in den Medien und in persönlichen Gesprächen mit Menschen, die von Festland-China nach Hong Kong kamen, rigoros zu analysieren und zu berichten. Aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse bezifferte er beispielsweise bereits vor 60 Jahren das Ausmass der Hungerkatastrophe von 1958 bis 1962 während des „Grossen Sprungs nach vorne“ mit mindestens 40 Millionen Hungertoten.
Es wäre allerdings ungerecht, Laszlo Ladanyi SJ in die Kategorie zwanghafter China-Kritiker einzuordnen. Sein umfassendes Wissen über China, seine phänomenale Virtuosität der chinesischen Sprache und seine objektiven Analysen waren immer geprägt von seiner grossen Achtung und Wertschätzung der Weisheit und der Ethik Chinas. Hilfreich in diesen Zeiten und Prozessen war sicher auch sein Violinspiel, das er sein ganzes Leben lang pflegte.
Der Ladanyi-Verein ist geprägt von der Spiritualität der Gesellschaft Jesu, welche einen besonderen Schwerpunkt auf die Werte von Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl legt. Der Verein wurde von P. Stephan Rothlin SJ mit einem Freundeskreis im April 2008 gegründet. Stephan Rothlin lebt seit 1998 in China (Peking, Macau, Hong Kong).
Das erklärte Ziel ist es, die Weisheit des Ostens mit der Weisheit und Sozialethik der westlichen Welt zusammen zu bringen und dadurch gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationen zu fördern. Das bedeutet im Kontext von Konflikten den Dialog mit China aufrecht zu erhalten durch konstruktiv-kritische Kommunikation. Weisheit im Sinne vom Erkennen und ethischen Anwenden vorhandenen Wissens richtet sich dabei auch immer an der komplexen Geschichte Chinas aus.
Dabei geht es dem Ladanyi-Verein und Stephan Rothlin SJ als seinem Spiritus Rector darum, die sinnvoll realistischen Prinzipien von Solidarität, Gerechtigkeit, Subsidiarität und Ausrichtung nach dem Gemeinwohl einer Christlichen Sozialethik mit den tradierten Weisheitslehren Chinas zum allseitigen Nutzen in Einklang zu bringen.
Der Ladanyi-Verein bietet immer wieder aufs Neue Raum, um kontroverse China-spezifische Themen der Geschichte, der Ethik und die gegenwärtige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in ihrer Vielfalt anzusprechen und erkenntniserweiternd zu diskutieren. Jenseits von der Borniertheit vorgefasster Meinungen und bestehender Hybris werden gemeinsame Kultur-verbindende Aspekte im Dialog erschlossen - unterschiedliche Meinungen prallen durchaus diskursiv aufeinander für ein umfassenderes Verständnis.
In einem Kontext von Verlogenheit, Korruption und Machtmissbrauch - und das beschränkt sich mitnichten nur auf gewisse Gesellschaftsgruppen, sondern ist leider ein gravierendes weltweites Problem - geht es auch um die Frage, welche realistisch gangbaren Wege insbesondere von der Wirtschafts- und Finanzethik mutig erschlossen werden können.
Die globale Krise, seit Jahren latent bestehend und jetzt deutlich-offensichtlich durch die fundamentalen Veränderungen insbesondere als Folge von Covid-19, betrachtet der LadanyiVerein als besondere Chance, dass nicht zuletzt gesellschaftsrelevante spirituelle und ethische Werte wie Verantwortung, Wirtschaftsethik, Corporate Social Responsibility, Mut, Integrität, Nachhaltigkeit, Solidarität, und die Bedeutung von Netzwerken, verbunden mit dem Einsatz für und mit Benachteiligten, stärker in den Mittelpunkt rücken.
Der Verein bietet mit seinen regelmässig stattfindenden Vorträgen und Ladanyi-Vorlesungen einer interessierten Öffentlichkeit Zugang zu vielseitigen Betrachtungen zum komplexen Thema China. So trugen in besonderer Weise in den letzten Jahren u. a. der AltBundespräsident der Republik Österreich Dr. Heinz Fischer; Frau Ariane Reimers, eine ChinaBeraterin von Angela Merkel sowie die Kardinäle Dr. Peter Turkson und Jean-Claude Hollerich SJ mit ihren Vorträgen zu einem besseren Verständnis von China und der sinnvollen Umsetzung von ethischen Prinzipien bei.
Aus Gründen der Netzwerk-Synergien integrierte Stephan Rothlin SJ sein Macau-Ricci-Institut in die Universität St. Joseph, Macau; er verfolgt innerhalb seiner Rollenvielfalt weiterhin Projekte zur vernetzten Wirtschafts- und Sozialethik in Macau, Hong Kong und Peking u. a. in enger Zusammenarbeit mit Globethics.Net mit Sitz in Genf und mit anderen Institutionen.
Stephan Rothlin SJ
Johannes Zink
Paul Widmer